Die Theorie der Prokrastination

Treffen sich zwei Studenten. Sagt der eine: „Wie spät ist es?“ und der andere antwortet: „Dienstag“. „Keine Details. Sommer- oder Wintersemester?“

Sonst hab‘ ich immer darüber gelacht, aber – inzwischen geht’s mir genauso.

Bin gerade (12:53) aufgewacht, nachdem ich glorreich meinen Wecker um 10:00 Uhr ignoriert habe. Mein Seminar, zu dem ich unbedingt hinwollte, beginnt um 12ct. Dumm gelaufen, Zeit.

Geht allerdings nicht nur mir so, wie ein schöner Beitrag von UARRR beweist.

Damit habe ich wohl eine neue Sphäre der Prokrastination erreicht: die körperliche Prokrastination.
Ist sie bei den meisten Menschen eine geistige Eigenschaft, ein halbbewusstes Aufschieben unliebsamer Aufgaben (meistens wird der Aufschub genutzt, die Ausübung der Prokrastination bei Twitter zu verlautbaren – verrückte Welt, das), habe ich anscheinend schon das Stadium der metaphysischen Prokrastination erreicht:

Platon propagierte die Trennung von Körper und Seele. Kann man von halten was man will, hat er halt, der Herr Plankton.
Gehen wir also davon aus, das diese beiden Teile unabhängig voneinander prokrastinieren können.

Der seelische Part ist unschwer zu identifizieren: das Gefühl der Unlust, das widerwillige An-Eine-Aufgabe-Setzen, um sich nach 5 Minuten „widerwillig“ von etwas ablenken zu lassen und sich dann lieber damit zu beschäftigen. Der Fernseher, Twitter, Luftpolstertaschen, die Katze…die Welt ist einfach böse, wenn es ums Aufschieben geht.

Auch das körperliche Pendant ist schnell identifiziert. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie viele Sonntage ich eigentlich Sport machen wollte, aber zu schlapp und müde war, mich zu erheben.

In einem faulen Körper wohnt ein prokrastinierender Geist.

Was ist also nun diese „metaphysische Prokrastination“?

Die Synthese, in der körperliches und geistiges Aufschieben eins werden, in der der Geist die „Idee der Prokrastionation“ geschaut und der Körper sie akzeptiert hat; wenn man sich von selbst wieder zurück in die Höhle begibt, aber statt die anderen Bewohner auf die Schatten, die sie anstarren, hinzuweisen, lieber wieder hinlegt und weiterschläft.

Ob das nun der „erkennende“ oder der „verpennende“ Geist ist, wäre diskutabel.

Damit bringt man nun das Verschieben auf ein völlig neues Level. Es geht nicht mehr darum, unliebsame Tätigkeiten aufzuschieben, nein, es geht darum, gar nicht erst in die Situation zu kommen, unliebsame Tätigkeiten aufschieben zu müssen.

Getreu dem Motto „Was du heute kannst aufschieben, das terminiere lieber direkt auf eine Woche später“.

Woran liegt das, und was sind die Auswirkungen?

Eigentlich hatte ich vor, es genauer zu beschreiben, stattdessen eine Grafik:

Schön kann man hier die unterschiedlichen Gedanken sehen, die prokrastinierende Menschen (bzw. ich) immer wieder haben und die Konsequenzen daraus.

Das sie von vielen Leuten als quälend, von der Umwelt leider aber oft als selbstverschuldet wahrgenommen wird, zeigen Portale wie prokastrination.net oder procrastinus.com (die, nebenbei bemerkt, tolle Arbeit leisten und gute Tipps geben – auch wenn ich zugeben muss, die Anwendung immer wieder aufzuschieben…Ironie des Schicksals, lol).

An der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster wurde inzwischen sogar eine eigene Prokrastinationsambulanz eingerichtet, komplett mit Online-Fragebogen.

So, nach dieser ernsten Wendung meines ursprünglich unverfänglichen Eintrags jetzt noch eine lustige… [Pointe prokrastiniert, folgt noch. Ganz sicher. Morgen.]

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