Ich finde dich internett. Ein Drama (Akt I)

(Vorhang hoch. Ein Wohnzimmer. Modern. Ein schlichter, schwarzer Stuhl mit einem iPhone darauf. An der Wand das abstrakte Gemälde „Der Frühling in schwarz-weiß“.)

(Auftritt Ulrich. Er trägt hippe Kleidung – diese ist dem momentan jeweils vorherrschenden Trend anzupassen. Sich das iPhone schnappend, schreitet er aufgeregt im Raum umher, während er wählt.)

Ulrich: Guten Tag, hier ist Ulrich, Ulrich Ulrich. Ist dort der Apple-Support? Gut! Ich rufe an wegen meinem iPad… ja, genau… ja… Also, es geht darum: ich habe es mir heute gekauft und es funktioniert nicht! … Doch doch, den Akku habe ich aufgeladen, und starten tut es ganz normal. Nur, wie bekomme ich das Teil nun in meine Senseo? … (er bleibt stehen) Wie, das geht nicht? Aber es ist doch ein Pad? … …  aha … aha … in der Beschreibung stand davon aber nichts! … Oh … Hm, na gut… was kann ich dann damit machen? … aha… …aha… schön schön … … aha… das ist ja alles ganz toll, aber es löst mein Kaffeeproblem nicht. Könnte ich darauf denn Kaffeebohnen mahlen? … Das falle nicht in die Garantie, sagen sie… Meine Schuhgröße? Ähm, einen Moment! (hebt einen Fuß, um die Größe abzulesen) Größe 42 … (stellt Füß wieder ab) ja, ich weiß, „Antwort auf alles“ … nein, das Buch habe ich nicht gelesen. Ich bin kein Science Fiction-Fan … warum? Nun ja… meiner Meinung nach ist das alles immer sehr weit her geholt. Irgendwelche bösen Konzerne, die das Universum kontrollieren wollen, indem sie die Menschen von sich abhängig machen wollen… was? Ja, ich besitze nur Apple-Produkte, woher wussten sie das? … An meiner Stimme? … Danke, sehr freundlich von ihnen, ich finde ihre Stimme auch angenehm. … nichts zu danken … Nein, wirklich nicht. … Mich einladen? Wozu? … oh… jetzt weiß ich gar nicht, was ich sagen soll… … mhm …. mhm… ja, das klingt schön. Ich würde mich darüber freuen. (lächelt) … Morgen um 4? … Im Hallmackenreuther? … ja … nein, damit habe ich kein Problem … gerne! Also gut, dann bis morgen, ich freu… moment, wie erkenne ich sie? … Macbook und iPhone? Perfekt, das dürfte nicht so schwer werden! … Ok, dann würde ich sagen, wir sehen uns morgen! Dir auch noch einen schönen Tag! Freue mich! … Bye!

(Ulrich legt auf, setzt sich auf den Stuhl und beginnt zu Twittern.)

Ulrich: Mann mann mann…. wie haben sich die Leute bloß vor dem Internet kennen gelernt?

(Vorhang schließt sich, sein Tweet wird an die Leinwand projiziert.)

„Morgen Date! Hoffentlich bringt sie Kaffee mit. Moment… hoffentlich ist es eine Sie. Wenn nicht, auch egal. Es arbeitet bei #apple! #verliebt“

(Der Autor tritt vor den Vorhang, blickt sich besorgt um)

Autor: Guten Abend mein Damen und Herren, ich hoffe, unser Stück hat ihnen gefallen. Bevor wir es beenden können, habe ich allerdings eine kurze Frage: Sind Apple-Mitarbeiter o.ä. im Raum? (im Publikum melden sich einige wenige) Oh, nur so wenige? Gut für uns. Es tut mir sehr leid, aber wir müssen sie leider erschießen. Wir können uns keine Klagen wegen Copyrightverletzungen erlauben. (Gemurmel im Publikum) Ich danke für ihr Verständnis. (Autor ab)

(Männer in Ritterrüstungen stürmen laut scheppernd von hinter der Bühne und von den Ausgängen her auf die Apple-Mitarbeiter zu, erschießen sie. Die Menge spendet Applaus)

Ende I. Akt

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