Geschreibsel, das belegt, warum ich niemals bei einer Lesung lesen sollte

Erst einmal etwas Vorgeblubber: Ich liebe Lesungen wie den Jour Fitz sehr, und habe mir – auch wenn ich dort nie etwas vorlesen würde/könnte/darf (ehrlich, ich bin ein furchtbarer Leser und kein guter Schreiber) einfach mal überlegt, was ich da vorlesen würde, wenn ich da lesen würde. Dabei ist dann dieser geistige vorzeitige Erguss rausgekommen.

Guten Abend, ich soll hier was vorlesen. Sie kennen das bestimmt noch von früher, als Sie klein waren. Ich werde hier jetzt – so rein vom Prinzip her – dasselbe machen wie Ihre Eltern damals, und Ihnen vorlesen. Nur, dass ich Sie noch nicht kenne und daher wenigstens ein bisschen liebe.

Den Ablauf wissen Sie, oder? Die vorderen Reihen bitte nicht so laut schnarchen, die Leute in den hinteren Reihen können schonmal das alte Gemüse und die Eier zum Werfen bereit machen. Wenn Sie buhen wollen, tun sie das ruhig, aber nicht so leise bitte, sonst hört mich nachher noch jemand, und das wollen wir ja nicht. Wie ich sehe, sind auch Frauen anwesend. Das freut mich, das ist dann das erste Mal. Liebe Frauen: es tut mir Leid, aber ich versprühe nunmal diese Aura aus… animalischer Sexualität und noch animalischerem Geruch, ich kann da nichts für. Wenn sie mit mir schlafen wollen, bitte nur während ich lese. Gemüse werfen dürfen Sie natürlich trotzdem weiterhin. Angeblich stehen da ja manche Frauen drauf.

Soweit alles klar? Gut.

Damit kommen wir auch schon zu meinem Problem, eigentlich habe ich gar nichts zum Vorlesen dabei, nicht einmal meine Unterhose.

Da gibt’s gar nichts zu lachen, schon Goethe hat seine Werke zum Teil auf Unterhosen geschrieben. Am bekanntesten dürften „Die Leiden des jungen Werthers“ sein, wo er sein schlimmstes Leiden, im Schritt kneifende Unterhosen thematisierte.

Ja, das wissen die meisten gar nicht. Ich muss das wissen, ich bin Germanist, und als Germanist muss man halt ab und zu mal mit dem Faust auf den Tisch hauen, aber das nur am Rande.

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, genau: da vorne, dann bin ich hier rüber, und nun sitze ich hier. Warum eigentlich?

Achso, lesen, genau.

*guckt auf’s Skript, atmet dann tief durch*

Ne, tut mir leid, lesen ist aus. Lesen ist momentan ganz schlecht, weil… mein Blatt ist leer. Das sehen Sie jetzt wahrscheinlich von ihren Plätzen aus nicht, aber diese schwarzen Zeilen hier, das sind eigentlich gar keine Zeilen, sondern Fliegenkot. Bevor Sie sich jetzt wundern, warum der Fliegenkot so geordnet aufgereiht ist: ich wohne in einer Wohngemeinschaft mit militärisch ausgebildeten Guerilla-Fliegen.

Nein, nicht Gorilla-Fliegen, wie soll denn eine Gorilla-Fliege aussehen? „Ich Tarzan, du Fliege“? Albern, sowas.

Dabei sind diese Fliegen eigentlich echt beeindruckend! Die stehen um 5 Uhr auf, drehen im Formationsflug eine Runde durch die Küche, jagen dann die Katze und verprügeln sie mit der aus Stacheldraht zusammengeschweißten Katzenklatsche… tolle Tiere! Und ihr Anführer erst, Fly Gevuara…. klasse Typ!

Naja, egal…. und was machen wir jetzt mit der angebrochenen Lesezeit?

Ich mein‘, ich habe hier ja eh nichts vorzulesen, und… oh, ich sehe, die ersten twittern schon Hassbriefe… das macht mich traurig. *wird laut* Jawohl! Ich kann doch nichts dafür!

*beginnt zu weinen*

Ich meine, die Zeugen Jehovas klopfen echt stundenlang an meiner Tür, bis ich sie wieder rauslasse, mein größter Erfolg beim Flirten ist, dass ich inzwischen immun gegen Pfefferspray bin, auf Twitter habe ich auch nur 3 Pointen, die ich immer wieder variiere…

Wissen Sie, wie sich das anfühlt???? Moment… ja, tun Sie, sonst würde hier keiner twittern… egal, es geht ums Prinzip! Niemand liebt mich, nur meine Mutter, und auch das nur für Geld!

*schluchzt*

*hört auf zu weinen, schneuzt ins Skript*

Tut mir leid, ich habe kurz die Kontrolle verloren. *guckt ins Skript* Oh, ein Schmetterling, wie schön!

*seufzt* Hab‘ halt nunmal nichts zum Vorlesen. Obwohl… kennt hier schon jemand die Geschichte von dem Jungen mit den Hodenohren? … Ja? Verdammt! Naja, war ein Versuch wert.

Dann muss ich halt das machen, was ich eigentlich nicht machen wollte, nämlich die Texte nehmen, die ich von anderen Autoren unter Androhung höherer Gewalt freiwillig zur Verfügung gestellt bekommen habe.

Ihr habt’s ja nicht anders gewollt, beschwert euch also nachher nicht.

Advertisements
Comments
One Response to “Geschreibsel, das belegt, warum ich niemals bei einer Lesung lesen sollte”
Trackbacks
Check out what others are saying...
  1. […] This post was mentioned on Twitter by Massl, Rawr Neumann and Michelle, Patrick Lüke. Patrick Lüke said: Neuer Blogeintrag: „Geschreibsel, das belegt, warum ich niemals bei einer Lesung lesen sollte“ http://tinyurl.com/34gc6js […]



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s