Skript zu einer Sendung, wie ich sie gern sehen würde.

[Intro. Schwarzer Bildschirm. In leuchtenden Großbuchstaben erscheint der Satz „EINE LEUCHTENDE ÜBERSCHRIFT!“, pompöse Orchestermusik. Schnitt zu einem umfallenden Sack Reis. Ende des Intros.]

[Ein modernes Nachrichtenstudio. Am pompösen Pult sitzt ein seriös aussehender Nachrichtensprecher.]

Nachrichtensprecher: „Schalten Sie um.“

[Szenenwechsel. Ein durchschnittliches deutsches Wohnzimmer mit durchschnittlichen Deutschen, die fern sehen. Der Vater hat ein Bier in der Hand, die Mutter neben ihm auf dem Sofa; der übergewichtige Sohn sitzt davor. Alle starren mit leerem Blick auf die Glotze, in der die ganze Szene über marschierende Soldaten zu sehen sind. Außerdem tragen sie Wikingerhelme.]

[Plötzlich wird die Wohnzimmertür eingetreten, ein mit einer Eishockemaske und grauem Overall bekleideter Psychopath, eine laut aufheulende Kettensäge in der Hand, stürmt ins Zimmer. Er zersägt das Mobilar, die Familie bleibt ungerührt sitzen. Dann schaltet er die Kettensäge aus, zieht sich die Maske vom Gesicht – es ist Hans Meiser -, holt ein Mikrofon aus seiner Gesäßtasche und springt mit diesem auf die Familie zu.]

Hans Meiser: „Sex mit Möbelstücken – was halten sie davon?“

[Schnitt. Verschiedene Menschen werden nacheinander interviewt.]

Bankangestellter: „Naja, diese Möbel, die sind ja irgendwie auch selber Schuld, dass viele sie nur als Sexobjekt sehen. Ich meine, ihre ausladenden Formen, immer nur mit einem Fetzen Stoff bekleidet… Da brauchen die sich echt nicht wundern…“

Eine alte Frau: „Obszön, sowas! Finde ich nicht gut!“

Wieder der Bankangestellte: „…ihre üppigen Polster, ihre weichen Bezüge…“

Ein Sofa: „…“

Wieder der Bankangestellte, diesmal sichtlich erregt: „…ihre nackten Stuhlbeine, dieses lustvolle Knarzen, wenn man sich auf sie setzt…“

Ein Müllmann: „Möbel? Also [zeigt den Weg] da gehen sie dort entlang, dann an der zweiten Kreuzung links, und…“

Wieder der Bankangestellte, schwitzend vor Erregung: „…das Gefühl, wenn man sich mit ihnen vereinigt, der sanfte Glanz der Politur… [Schreit; rennt dann eiligst in das nahegelegenen Möbelgeschäft. Kamera folgt bis zum Eingang. Man sieht ihn durch das Schaufenster, wie er sich lustvoll an Möbelstücken reibt.]

[Szenenwechsel. Wieder im Nachrichtenstudio.]

Nachrichtensprecher: „Dies ist Liebe. Gewöhnen sie sich dran.“

[Abspann. Danach stimme aus dem Off.]

Stimme: „Sollten sie jetzt noch zuschauen, möchten wir sie darauf hinweisen, dass sie gerade wertvolle Minuten ihres Lebens verschwenden. Gleichzeitig freuen wir uns für sie, ihnen mitteilen zu können, dass für diese Sendung keine Steuergelder verschwendet wurden.“

[Szenenwechsel. Ein Studio, der Titel der Sendung steht im Hintergrund in großen Buchstaben: „Philosophie heute“. Der Moderator trägt einen braun-gelb gemusterten Zweireiher und eine Brille mit dicken Gläsern.]

Moderator: „Herzlich Willkommen, liebe Zuschauer, zu ‚Philosophie heute‘. In dieser Ausgabe unseres Magazins werden wir uns mit Platon und seinem Höhlengleichnis beschäftigen. Wir wünschen ihnen viel Spaß dabei.“

[Schnitt. Nahaufnahme von Platon. Es ist düster, sein Gesicht vor Anstrengung verzerrt. Die Kamera fährt heraus, wodurch man sieht, dass Platon auf dem Klo sitzt. Zufällig schaut er hoch und erschrickt vor der Kamera. Schnell und verlegen steht er auf, will seine Hose hochziehen, was aber nicht geht, da er entsprechend damaliger Mode nur eine Toga trägt. Verblüfft blickt er in die Kamera.]

Platon: „Wo ist meine Hose?“

[Schnitt zurück zum Moderator.]

Moderator: „Wir fassen also zusammen: Die Kernaussage von Platons Höhlengleichnis ist die Frage nach dem Verbleib seiner Hose…“

[Der Bankangestellte, immer noch erregt, stürmt auf die Bühne und beginnt mit dem Stuhl des Moderators zu kopulieren, der daraufhin herunterfällt. Die Security versucht, ihn wegzuzerren. Währenddessen der Moderator vom Boden aus:]

Moderator: „Das war’s auch schon wieder für heute, bis zum nächsten Mal!“

[Szenenwechsel. Wieder der Nachrichtensprecher.]

Nachrichtensprecher: „Die Medien lügen und wir sind Teil der Medien. Und nun zu etwas völlig anderem.“

[Schnitt. Ein Pinguin.]

Pinguin: „Das ist von Monty Python geklaut!“

[Schnitt. Ein bildschirmfüllendes Copyright-Zeichen, dazu dramatische Musik.]

[Schnitt. Der Nachrichtensprecher und der Pinguin küssen sich leidenschaftlich.]

[Schnitt. Ein Sofa „läuft“ vor dem Bankangestellten davon.]

[Schnitt zu Platon auf dem Klo. Auf seinem Schoß sitzen der Nachrichtensprecher und der Pinguin, die sich weiterhin küssen.]

[Schnitt. Wieder die alte Frau aus dem Interview.]

Eine alte Frau: „Obszön, sowas! Finde ich nicht gut!“

[Schnitt zum Autor der Sendung. Er sitzt in einem kleinen Raum an einem Schreibtisch. Überall liegt zerknülltes Papier. Eine Hand hält ein Schild ins Bild, auf dem steht: „Autor der Sendung“.]

Autor: „Meine Eltern haben mich nie geliebt.“

[Schnitt. Eine Kuh.]

[Schnitt. Wieder der Autor. Er trägt ein Kuh-Kostüm.]

[Schnitt. Der Nachrichtensprecher und der Pinguin. Sie küssen sich immer noch. Beide tragen Kuhkostüme.]

[Schnitt zum Bankangestellten. Er trägt eine Zwangsjacke und sitzt in einer Gummizelle.]

Bankangestellter: „Kühe sind nicht sexy.“

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Comments
3 Responses to “Skript zu einer Sendung, wie ich sie gern sehen würde.”
  1. Flo sagt:

    Find ich irgendwie verblüffend gut…
    Wäre spontan für einen Probedreh 😀

  2. Ein Fan sagt:

    Gefällt mir: ich kauf 3

  3. Danae sagt:

    Gefällt mir auch. Die Illusion der Illusion ist fast perfekt.

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