Müllverbrennungsanlagen kommen im Titel zu diesem Text nicht vor

Als Graupause eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, sah er sein Auto zu einem ungeheuren Käfer verwandelt. Der Käfer lag in seinem Bett, im Austausch gegen seine Freundin. Diese war nämlich viel kleiner als das Auto und passte deswegen in jede noch so winzige Parklücke. Es hatte ihn viel an Überredung gekostet, sie von dieser Idee zu überzeugen, aber nachdem er ihr eine Decke und einen Einkaufsgutschein von Ikea geschenkt hatte, war sie schließlich einverstanden gewesen. Nun lag er also in seinem Bett, neben ihm der Käfer, draußen die ebenfalls aufgewachte Freundin, die nach Kaffee schrie.

Es war ein schönes Modell; es hatte kaum Rostflecken und eine nostalgische Blumenvase. Der Käfer, nicht die Freundin.

Er stand also auf und schlurfte in die Küche, um Kaffee zu kochen. Nachdem er eine Tasse des heißen, schwarzen Goldes aus dem Fenster Richtung Lebensgefährtin geworfen hatte, dicht gefolgt von einem Klirren und dem befriedigendem Zusammensacken eines leblosen Körpers, wandte er sich wieder seinem Lebensabschnittsgefährt zu. Spontan hatte er beschlossen, den Käfer „Herbie“ zu nennen. Das war der Spitzname seiner Mutter gewesen. Mit vollem Namen hieß sie „Herbert“.

Misstrauisch blickte Graupause Herbie an. Bei genauerer Betrachtung stellte er fest, dass da, wo eigentlich die Scheinwerfer sein sollten, Schweine festgebunden waren, die ihn empört anquiekten, weil weder sie noch er Unterhosen trugen. Das Tragen von Unterhosen ist eine allgemein anerkannte Norm der Gesellschaft und eine Frage der Höflichkeit, daher musste Graupause bestürzt zugeben, dass er die Empörung der Schweine nur zu gut verstehen konnte. Beschämt holte er eine Unterhose aus einer Schublade und zog sie sich über – durch die Umstände verwirrt allerdings auf seinen Kopf. Nachdem er mit einer zweiten Unterhose seine Blöße, diesmal an der vorgesehenen Stelle, bedeckt hatte, ging er endlich auf die Schweine zu.

Nicht, weil er sonderlich mutig gewesen wäre, sondern ganz einfach deshalb, weil der Autor dieses Textes keine Lust mehr hat, noch weitere Zeit mit einer mittelmäßigen Exposition zu vergeuden. Zur Beschleunigung des Plots also oinkten ihm die Schweine zu, er solle in seinen Schrank gehen, und bevor er frage, warum jemand Schweine anstatt von Leuchten auf die Motorhaube binde: sie seien Schweinewerfer und damit tausendmal besser als Scheinwerfer, da, wie jeder vernünftige Mensch wisse, eine quickende Sau viel besser bei der Orientierung im Dunkeln hilft als ein blöder Lichtkegel.

Weil Graupause dieser Logik nicht widersprechen konnte und der Autor schon abwechselnd ihn und seine Uhr böse anfunkelte, begab er sich auf die weite Reise zu seinem Schrank. Drei Schritte später stand er also vor seinem Schrank und lugte unsicher hinein. Gerade wollte er es sich anders überlegen und die Schranktür wieder schließen, als plötzlich seine Freundin hinter ihm auftauchte, mit einem Eisbeutel auf dem Kopf, und ihm als Dank für den Kaffee einen liebe- und schwungvollen Tritt in den Arsch gab. Der Autor möchte ihr an dieser Stelle dafür danken.

Anstatt nun aber, wie erwartet, heftig gegen die Rückwand des Schranks zu krachen, landetet er mit dem Gesicht voraus auf einer grünen Wiese. Verwundert blickte er auf. Direkt vor seiner Nase war ein Ortsschild aufgestellt, auf dem in großen, verschnörkelten Lettern zu lesen war: „NARNIA – Ortskreis Rhein-Sieg“.

In diesem Moment verfluchte Graupause den Autor für diese billige und vollkommen überflüssige popkulturelle Referenz mit Ausdrücken, die hier aus Gründen des Anstands und des guten Geschmacks nicht wiedergegeben werden sollen. Und wenn Graupause das nochmal macht, wird der Autor ihm einen Pickel an den Arsch schreiben, der ihn jedesmal plagen wird, wenn er sich setzt, nur damit Graupause bescheid weiß.

Wie auch immer: jedenfalls war unser sehr williger und überaus abenteuerlustiger Protagonist inzwischen aufgestanden und sah sich staunend um.

Zu seiner Überraschung fand er sich umgeben von grinsenden Katzen, schlafenden Katzen, schreienden Katzen, amüsierten Katzen, nicht amüsierten Katzen, süßen Katzen, sauren Katzen, scharfen Katzen, bitteren Katzen, Katzen in Dosen, Katzen in Hosen, Katzen mit Losen, die diese Lose an Katzen mit Rosen verkaufen wollen, kurz – es sah aus wie im Internet. Dieser Anblick brachte Graupauses Hirn ans Arbeiten. Nachdem es die Situation gründlich geprüft, abgewägt, wieder vergessen, dann erneut gründlich geprüft und abgewägt hatte, kam sein Hirn zum einzig logischen Schluß: „Huch!?“ Während Graupause mit seinem Oberstübchen haderte, weil er „Huch?!“ momentan nicht als sonderlich hilfreich empfinde, woraufhin das Hirn beleidigt antwortete, er solle es in Ruhe lassen, er habe es eh nie geliebt und seine Mutter habe Recht gehabt, es habe sich niemals mit ihm einlassen sollen, begannen die Katzen, sich zusammenzurotten und aufeinanderzustapeln. Während Graupauses Hirn sich inzwischen tränenreich darüber beklagte, dass es ihm seine besten Jahre geopfert hatte, staunte Graupause darüber, wie die Katzenpyramide langsam begann, zu verschwimmen und formlos zu wabern. Da dies kein übliches Verhalten für Katzen im Allgemeinen und für Katzenpyramiden im Besonderen ist, stellte das Hirn sein Gejammer ein und wartete gespannt darauf, was wohl als nächstes passieren würde.

Die unscharfe Masse aus Katzen ihrerseits wabbelte immer schneller, begleitet von einem zunehmend schriller werdendem Kreischen, bis es sich – PUFF – in einen Zauberer verwandelte.

Jedenfalls gibt es gute Gründe dafür, die eben herbeigepuffte Gestalt als Zauberer zu bezeichnen. Zum einen hatte sie einen enormen Rauschebart, zum anderen trug sie ein langes Gewand und einen hohen, oben spitz zulaufenden Hut; in einer Hand hielt sie einen Zauberstab. Alles typische Merkmale eines Zauberers – oder einer Person mit zweifelhaftem Modegeschmack. Meistens auch beides.

Der mutmaßliche Zauberer/Modesünder baute sich vor Graupause auf, holte tief Luft und verkündete feierlich: „Du bist ein Zauberer, Harry!“ Dann zog er Pompoms unter seinem Gewand hervor und begann einen ganz hervorragend choreografierten Siegestanz. Auf Graupauses verwirrten Einwand hin, er heiße nicht Harry und sei auch ganz bestimmt kein Zauberer, sowas wäre ihm nämlich bestimmt aufgefallen, stoppte der nun sehr bestürzt dreinblickende Zauberer mitten in einer beeindruckenden Breakdance-Einlage und stand dann erst einmal sehr bedröppelt einfach da. „Verdammt!“ rief er mit einer Stimme, die nahende Tränen anzukündigen schien. „Das ist mein erster Gastauftritt in einer Geschichte, seit Harry Potter zu Ende gegangen ist, und ich hab’s voll versaut!“ Schluchzend fügte er hinzu: „Ich bin übrigens Albus Dumbledore.“

An dieser Stelle bemerkte der Autor, dass diese Passage im Buch eigentlich von Hagrid gesprochen wird und daher an dieser Stelle totaler und himmelschreiender Quatsch ist. Und plötzlich löste Dumbledore sich in einem Wölkchen sinnvoller Zitiertechnik auf.

Dafür kam nun ein Ritter von recht trauriger Gestalt vom Horizont herbei geritten. Er wirkte ebenso ausgezehrt und abgemergelt wie sein unbeholfen vorwärts stolperndes Pferd. Auf seinem Gesicht zeichnete sich nur allzu deutlich ein tiefer und vollkommen politisch motivierter Hass auf erneuerbare Energien ab, vor allem auf Windkraft. Das Pferd hieß Guido Westerwelle. Der Name des Reiters war Sancho Panza und dieser beklagte sich schon von weitem lautstark darüber, wie zum Geier er auf diesen komischen Klepper komme und ob der Autor sein verdammtes Buch überhaupt gelesen habe, woraufhin Guido Westerwelle sich spontan ein Bein brach und vornüber fiel. Der dabei abgeworfene Sancho Panza wurde dabei spontan von einem rein zufällig vorbeifliegenden Schwarm Kettensägen in kleine Scheiben geschnitten, die, falls man solche Vorlieben haben sollte, hervorragend auf ein Brötchen passen.

Unterdessen hatten sich die Beatles an Graupause herangeschlichen und spontan eine a capella-Versoin von „Hey Jude“ angestimmt, was ihn sehr freute. Hier sei noch kurz angemerkt, dass die Beatles diese Version von „Hey Jude“ kurze Zeit später auf CD aufnahmen und sich mit den enormen Umsätzen daraus Italien kauften, da John Lennon nach seinem Ableben einen kolossalen Schuhfetisch entwickelt hatte.

Von diesen Klängen begleitet schwebte nun ein riesiger weißer Wal, getragen von Millionen und Abermillionen Vögeln langsam an Fäden zu Boden. Dort angekommen öffnete er seinen gigantischen Mund, worin eine etwa mannshohe und sehr raumfüllende Raupe auf einer Ottomane lag und genüsslich eine Zigarre rauchte.

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“ verkündete sie selbstzufrieden und ließ ihre Augen auf Graupause ruhen, allerdings nur im übertragenden Sinne, schließlich ist das hier eine ernsthafte Geschickte.

Unter anderen Umständen wäre Graupause wahrscheinlich überrascht, verwundert, schockiert oder allgemein irritiert gewesen, aber ihn beschäftigte in diesem Moment etwas anderes viel mehr: die Farbgebung der einzelnen Segmente der Raupe war ein wirres Mischmasch aus neonpink, neongrün, neonblau und besch. Er hasste besch. Seiner Meinung nach war besch nur etwas für alte Omas, die dem Kadaver ihres toten Vogels immer noch jeden Tag Kekse in den Käfig warfen und die die Weltwirtschaft dadurch hemmen, dass sie an der einen offenen Kasse im Supermarkt unbedingt passend zahlen wollen. Man kann nur darüber spekulieren, wie viele junge Menschen inzwischen beim Warten in der Schlange bei Aldi kläglich verhungert sind. Gleiches gilt für die Zahl gesunder Kassierer und Kassiererinnen, die sich aus Angst und Verzweiflung über den bloßen Anblick einer brutalen alten Omi spontan selbst ausgeweidet und mit dem eigenen Darm erwürgt haben.

Angewidert von diesem Anblick eilte Graupause auf die Raupe zu, während er sich bückte, um eine aus dem Boden wachsende Pfanne zu pflücken. Bei ihr angekommen baute er sich vor ihr auf, holte mit der Pfanne aus und schlug ihr mit voller Wucht ins Gesicht. Dabei brüllte er: „Nicht die Mama!“

Die Raupe rieb sich die Nase und nickte ihm freundlich zu. „Ich weiß“, sagte sie gütig. „Ich weiß. und du willst ein echter Junge werden, stimmt’s?“

[…]

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